{"id":4413,"date":"2024-07-30T10:27:29","date_gmt":"2024-07-30T08:27:29","guid":{"rendered":"https:\/\/bernsteinstrasse-burgenland.at\/ort\/sopron\/"},"modified":"2025-01-30T17:51:35","modified_gmt":"2025-01-30T16:51:35","slug":"sopron","status":"publish","type":"ort","link":"https:\/\/bernsteinstrasse-burgenland.at\/hr\/ort\/sopron\/","title":{"rendered":"\u0160opron"},"content":{"rendered":"<h2>Die keltische und die r\u00f6mische Stadt<\/h2>\n<p>Auf dem Gebiet der Stadt \u00d6denburg und der Stadtd\u00f6rfer gab es schon in der Jungsteinzeit zahlreiche b\u00e4uerliche Siedlungen, etwa am Spittelbach (nach dem Johanniterspital in der Stadt benannt; ungarisch heute Ikva).\u00a0 So konnte der ehemalige Arch\u00e4ologe des Burgenl\u00e4ndischen Landesmuseums, Dr. Karl Kaus, durch Oberfl\u00e4chenfunde ein jungsteinzeitliches Dorf, das etwa in der Zeit um 5500 v. Chr. bestand, lokalisieren. Es lag in der N\u00e4he des Bahnhofes Loipersbach-Schattendorf. Gefunden wurden f\u00fcr die Linearbandkeramik typische Gef\u00e4\u00dfscherben und auch Steinwerkzeuge. In unmittelbarer N\u00e4he wurden auch f\u00fcr die Kupferzeit (Badener Kultur) typische Gef\u00e4\u00dfteile gefunden. Im Jahr 2004 wurden bei Bauarbeiten in Gro\u00dfzinkendorf (Nagycenk) an der Bahnstrecke \u00d6denburg \u2013 Steinamanger Siedlungsreste aus der Kupferzeit, aber auch ein bronzezeitlicher Friedhof aus der Zeit 1900 bis 1600 v. Chr. entdeckt. Die bis Ende 2004 freigelegten 16 Gr\u00e4bern enthielten hervorragenden Bronzeschmuck, Dolche und Beile.<\/p>\n<p>Die Vorg\u00e4ngersiedlung des sp\u00e4teren \u00d6denburg, eine hallstattzeitliche, sp\u00e4ter keltische Stadt, lag am Westrand der heutigen Innenstadt, auf dem Krautacker (heute Stadtteil Erewan). Am Rande der Pforte, in Schutzlage auf den Ausl\u00e4ufern des \u00d6denburger Berglandes, entstanden in der Hallstattzeit gro\u00dfe Anlagen: die Siedlung bzw. Befestigungsanlage auf dem Burgstall (V\u00e1rhely), die auf der etwa 100 m h\u00f6her gelegenen Karlsh\u00f6he (K\u00e1rolymagaslat) und eine dritte, etwas kleinere hallstattzeitliche Siedlung auf dem Himmelsthron bei Harkau. Es liegt hier also eine \u00fcberaus interessante Ansammlung von H\u00f6henburgen auf engstem Raum vor \u2013 f\u00fcr die Hallstattzeit eine in Ungarn einzigartige Konzentration. Man kann vermuten, dass hier ein bedeutendes Herrschaftszentrum am \u00f6stlichen Rand der Hallstattkultur bestand. Die gr\u00f6\u00dfte Grabungskampagne fand bereits 1890 bis 1892 statt. Auch danach fanden weitere Grabungen statt und es wurden weitere Grabh\u00fcgel bis in die Zwischenkriegszeit untersucht. Die Siedlungsanlagen wurden systematisch erst in den 1970er-Jahren untersucht. Auf dem Burgstall wurde eine hallstattzeitliche Befestigung in der Gr\u00f6\u00dfe von 1250 x 500 m festgestellt. In der Anlage wurden die Fundamente von zwei Wohnh\u00e4usern gefunden, ebenso Urnen, \u201eMondidole\u201c, und Bernsteinperlen. Die Urnen vom Burgstall (im Naturhistorischen Museum) mit Tanz- und Jagdszenen sind weltber\u00fchmt. Aber auch vorhallstattzeitliche Funde, Kr\u00fcge aus der Urnenfelderkultur tauchten auf. Alle diese Grabungen und Funde unterstreichen die gro\u00dfe Bedeutung des Burgstalles als wichtiger hallstattzeitlicher F\u00fcrstensitz. Er lag unmittelbar an der Bernsteinstra\u00dfe, die vom Burgstall aus kontrolliert werden konnte.<\/p>\n<p>Interessant ist, dass die Kelten dann ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. diese H\u00f6henburg zun\u00e4chst nicht benutzten. Erst ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. tauchen wieder Siedlungsspuren auf dem Burgstall auf. Die Vermutung liegt nahe, dass es erst wieder unter dem Druck der r\u00f6mischen Eroberer notwendig wurde, Befestigungen zu erneuern. Die zu diesen keltischen H\u00f6henbefestigungen geh\u00f6renden Siedlungen lagen in der Ebene (Krautacker) und auf den H\u00fcgeln rund um die Stadt. Besonders gro\u00df d\u00fcrften die Siedlungen auf dem Wiener Berg und bei Kroisbach gewesen sein. Diese Siedlungen entstanden wahrscheinlich schon im 4. vorchristlichen Jahrhundert, sind aber erst f\u00fcr das 3. Jahrhundert sicher nachgewiesen. Auch auf burgenl\u00e4ndischer Seite der Grenze finden sich zahlreiche hallstattzeitliche Anlagen (Grabh\u00fcgelfeld im Schattendorfer Hadspitzwald, Grabh\u00fcgel zwischen Rohrbach und Marz, die hallstattzeitlichen Anlagen von Eisenstadt, Donnerskirchen und Purbach).<\/p>\n<p>Keltischen Ursprung ist wahrscheinlich auch der Name der sp\u00e4teren R\u00f6merstadt Scarabantia. Scarb oder Scara k\u00f6nnte die Bezeichnung f\u00fcr eine keltische Gruppe gewesen sein (in der Bedeutung von \u201eabgesondert\u201c oder \u201ezerstreut\u201c). Banta k\u00f6nnte im \u201eillyrischen\u201c Wort f\u00fcr Siedlung wurzeln. Selbst wenn man eine \u201eillyrische\u201c Vorbev\u00f6lkerung annimmt, werden die Kelten, die aller Wahrscheinlichkeit nach dem Volk der Boier angeh\u00f6rten, die dominiere Bev\u00f6lkerungsgruppe gewesen sein. Sie stellten auch die herrschende Schicht.<\/p>\n<p>Nach der r\u00f6mischen Eroberung und der Anlage der Stadt Scarabantia verloren die H\u00f6hensiedlungen an Bedeutung und wurden aufgegeben. Wie nicht anders zu erwarten war Scarabantia in der R\u00f6merzeit in wichtiger Verkehrsmittelpunkt. Die Bernsteinstra\u00dfe f\u00fchrte mitten durch die Stadt. In Scarabantia zweigten mehrere wichtige Stra\u00dfen zum Donaulimes ab.<\/p>\n<p>Wie die Bezeichnung Scarabantia lulia beweist, durften die ans\u00e4ssig gewordenen R\u00f6mer noch in der Zeit des Kaisers Tiberius (14 \u2013 37 n. Chr.) das B\u00fcrgerrecht in Anspruch nehmen. Plinius bezeichnet die Stadt als Oppidum Scarabantia lulia. In Scarabantia kann man anhand der Grabdenkm\u00e4ler sehr sch\u00f6n beobachten, wer die neuen Bewohner der Stadt waren. Neben den ausgedienten Soldaten waren es vor allem Vertreter italienischer Handelsh\u00e4user, die sich hier niederlie\u00dfen. Die neuen Provinzen waren offenbar ein Eldorado f\u00fcr Freigelassene, die hier im Auftrag ihrer italienischen Stammh\u00e4user Gesch\u00e4fte aufbauen und Karriere machen konnten. Viele scheinen zu Reichtum und Ansehen gekommen zu sein. Beispiele w\u00e4ren etwa Hilarus, ein Freigelassener der Familie Sempronius, der aus Dalmatien stammte und 90 Jahre alt wurde, und seine Frau Sassa, die aus Dakien kam und 70 Jahre alt wurde. Das Grabmal wurde von ihrem Sohn Flaccus errichtet. Die Sempronier waren eine in Norditalien reich beg\u00fcterte und sehr angesehene Familie. Sie schickten Hilarus offenbar nach Scarabantia, um hier Gesch\u00e4ftsbeziehungen aufzubauen. Viele Grabsteine aus Scarabantia und Umgebung tragen die Berufsbezeichnung \u201enegotiator\u201c. Ein solcher war nicht blo\u00df H\u00e4ndler, sondern Unternehmer im umfassenden Sinn, der auch Bankgesch\u00e4fte t\u00e4tigte. Eine Inschrift berichtet \u00fcber das Schicksal eines solchen Unternehmers aus Scarabantia: Lucius Atilius Saturninus, ein reich gewordener Freigelassener, von dem man au\u00dferdem wei\u00df, dass er s\u00fcdlich der Stadt \u00fcber ein Landgut verf\u00fcgte, wurde w\u00e4hrend einer Gesch\u00e4ftsreise von R\u00e4ubern ermordet und in Aquilea beigesetzt.<\/p>\n<p>Nicht nur die Stadt selbst, auch ihr Territorium wird schon in den ersten Jahrzehnten nach der Eroberung von R\u00f6mern besiedelt. Es waren zumeist altgediente Soldaten der in Carnuntum stationierten 15. Legion, die um die Stadt angesiedelt wurden. Sie bekamen den Grundbesitz wohl vom Staat als Teil ihrer Entlohnung zugeteilt. Leider wei\u00df man nicht, ob dieser Grundbesitz aus enteigneten keltischen G\u00fctern stammte oder ob er gekauft wurde. Jedenfalls liegen die Veteranenkolonien zumeist auf hervorragenden B\u00f6den entlang der R\u00f6merstra\u00dfen und kaum in abgelegenen Landesteilen. Eine gut bekannte Kolonie von Veteranen einer Auxiliartruppe befand sich in Walbersdorf an der Wulka (heute zu Mattersburg geh\u00f6rend). Die Grabinschriften erw\u00e4hnen mehrere, miteinander verwandte Familien.<\/p>\n<p>\u00dcber das Aussehen der noch jungen R\u00f6merstadt Scarabantia ist wenig bekannt. Eines haben die Ausgrabungen aber doch gezeigt: Um die Mitte des 1. Jahrhunderts waren die Geb\u00e4ude noch recht bescheiden, zum Gro\u00dfteil wohl in einheimischer Bauweise, also als Fachwerkbauten errichtet. Es gibt aber auch schon in dieser Zeit Hinweise darauf, dass der Wohlstand zunahm. So wurde etwa schon Geschirr aus Terra Sigilata verwendet. Vor allem aber die Gr\u00e4ber beweisen das Vordringen r\u00f6mischer Lebensweise: Die Urnen sind zum Teil h\u00f6chst kostbare Glasurnen, beigegeben wurden Geschirr, Lampen, Parf\u00fcmfl\u00e4schchen, aber auch kostbarer, in Aquilea angefertigter Gold- und Bernsteinschmuck.<\/p>\n<p>Gegen Ende des 1. Jahrhunderts nahm die Stadt eine andere Gestalt an. Wahrscheinlich unter Kaiser Vespasian (69 \u2013 79 n. Chr.) erhielt Scarabantia den Rang eines Municipiums. Dies beweist eine in Savaria (Steinamanger) auf einem Altar gefundene Inschrift, die das \u201eMunicipium Flavium Augustum Scarabantia\u201c erw\u00e4hnt. Diese Rangerh\u00f6hung brachte der Siedlung erhebliche Vorteile. Die freien Einwohner hatten das B\u00fcrgerrecht, wurden \u2013 wenn sie Milit\u00e4rdienst leisten mussten \u2013 in die Legionen und nicht in die Auxiliartruppen einberufen und hatten au\u00dferdem Steuer- und Zollvorteile bei ihren Handelsgesch\u00e4ften. Die Stadt nahm damit einen erheblichen Aufschwung, ihre B\u00fcrger wurden reicher. Immer h\u00e4ufiger stifteten sie im Verlauf des 2. Jahrhunderts \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude und Alt\u00e4re, wovon die gefundenen Inschriften k\u00fcnden. Auf dem Forum der Stadt wurden f\u00fcnf dem Silvanus Augustus geweihte Alt\u00e4re gefunden. Einen davon stiftete etwa der Decurio und Quaestor Tiverius Iulius Quintilianus anl\u00e4sslich seiner Wahl zum Augur, einer hohen priesterlichen Funktion. Die Geb\u00e4ude der Stadt wurden nun in Stein errichtet.<\/p>\n<p>Das Stadtzentrum bildete das rechteckige Forum, das im Bereich des heutigen Hauptplatzes lag. An der Nordseite lag das gro\u00dfe Staatsheiligtum, den G\u00f6ttern Jupiter, Juno und Minerva gewidmet. Dieser Tempel der \u201ekapitolinischen Trias\u201c hatte eine L\u00e4nge von 35 m und eine Breite von 10 m. Vor dem Eingang am Forum standen vier riesige S\u00e4ulen. Die arch\u00e4ologischen Ausgrabungen fanden die S\u00e4ulenbasen noch an ihrem urspr\u00fcnglichen Ort. Die zerbrochenen S\u00e4ulen lagen, ebenso wie die korinthischen Kapitelle, davor. Die drei riesigen G\u00f6tterstatuen, deren \u00dcberreste ebenfalls gefunden wurden und die man wieder so weit wie m\u00f6glich zusammengef\u00fcgt hat (zu besichtigen im Museumskeller des Fabricius-Hauses), sind aus Marmor, den man aus Griechenland nach Italien importierte. Dort wurden die Statuen Anfang des 2. Jahrhunderts gefertigt und schlie\u00dflich nach Scarabantia transportiert. Die Kaufsumme und die Transportkosten m\u00fcssen enorm gewesen sein. Das Heiligtum wurde in sp\u00e4terer Zeit mehrmals umgebaut. Es erhielt zwei Seitenfl\u00fcgel, die einen heiligen Bezirk umschlossen. Im Ostfl\u00fcgel wurde ein 9 x 12 m gro\u00dfer, sorgf\u00e4ltig ausgestatteter Saal, der offenbar ebenfalls kultischen Zwecken diente, freigelegt. In den Tr\u00fcmmern des Geb\u00e4udes wurden Teile einer Minerva-Statue gefunden.<\/p>\n<p>Auch die anderen Seiten des Forums und deren Bebauung sind gr\u00f6\u00dftenteils bekannt. Am Beginn der St. Georgstra\u00dfe (Szent Gy\u00f6rgy utca), in der s\u00fcd\u00f6stlichen Ecke des Forums befand sich ein gro\u00dfer Saalbau. An der S\u00fcdseite standen ebenfalls Heiligt\u00fcmer. Zwei Alt\u00e4re, dem Gott Merkur und dem Liber Pater (Bacchus) gewidmet, wurden hier gefunden. Sie wurden sp\u00e4ter in die Schwelle eines anderen Geb\u00e4udes eingemauert. Daneben stand wahrscheinlich das Heiligtum des Silvanus Augustus. Den offiziellen, staatlichen G\u00f6ttern und ihrem Heiligtum lagen also die Tempel jener Gottheiten gegen\u00fcber, die die Kaufleute der Stadt anscheinend besonders verehrten. An der Westseite des Forums befand sich die Basilica, der Gerichtssaal, in dem aber nicht nur Recht gesprochen wurde. Hier wurden auch Gesch\u00e4fte get\u00e4tigt und Vertr\u00e4ge abgeschlossen. Am Forum k\u00f6nnte auch \u2013 wie \u00dcberreste im Fabricius-Haus (Museum) zeigen \u2013 ein \u00f6ffentliches Bad gelegen haben. Ein weiteres, sehr ausgedehntes Bad lag am anderen, s\u00fcdlichen Ende der Stadt im Bereich des Ursulinen-Platzes. Im Keller der dortigen Schule der Ursulinerinnen k\u00f6nnen \u00dcberreste (Becken, Heizung, Heizkanal) besichtigt werden.<\/p>\n<p>An vielen Stellen der Stadt wurden auch sorgf\u00e4ltig gepflasterte \u00dcberreste der Bernsteinstra\u00dfe gefunden. Um die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert, als die Romanisierung schon betr\u00e4chtliche Fortschritte gemacht hatte, d\u00fcrften nach den arch\u00e4ologischen Befunden anl\u00e4sslich des Besuches des Kaisers Domitian (92 n. Chr.) die Stra\u00dfen erweitert und erneuert worden sein. Offenbar wurde das ganze Land \u2013 von der Stra\u00dfe als zentraler Achse ausgehend \u2013 neu vermessen und aufgeteilt. Bis heute kann man auf Luftaufnahmen die Nachwirkungen dieses Vermessungs- und Katastersystems erkennen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Markomannen- und Quadenkrieges wurde auch Scarabantia schwer mitgenommen. Eine starke Brandschicht bezeugt dies. Anscheinend wurde die Stadt in Brand gesteckt und vermutlich ein Teil der Bev\u00f6lkerung verschleppt, wie es damals in vielen pannonischen St\u00e4dten der Fall war. W\u00e4hrend des Krieges gegen diese Germanenv\u00f6lker hielt sich Kaiser Marc Aurel wiederholt auch in Scarabantia auf. Der Wiederaufbau d\u00fcrfte relativ rasch erfolgt sein. Im Jahre 202, als Kaiser Septimius Severus den 10. Jahrestag seiner Kaiserkr\u00f6nung in Carnuntum feierte, besuchte auch er auf dem R\u00fcckweg \u00a0Scarabantia.<\/p>\n<p>Im 3. Jahrhundert wuchs die Stadt jedenfalls weit \u00fcber die urspr\u00fcnglichen Grenzen nach Osten und Norden. Zahlreiche neue Wohnh\u00e4user und neue Tempel und Alt\u00e4re wurden errichtet, etwa das Heiligtum der Nemesis auf dem Wienerberg und ein Heiligtum des Silvanus am Fu\u00df des Kuruzenberges. Besonders interessant ist ein Geb\u00e4ude am S\u00fcdrand der Stadt, im Bereich des heutigen Sz\u00e9chenyi-Platzes. Dort lag \u2013 direkt an der gut gepflasterten Bernsteinstra\u00dfe \u2013 ein Altar f\u00fcr Jupiter neben den Amtsr\u00e4umen der Beneficiarii, der \u201eGendarmerie\u201c oder \u201eStra\u00dfenpolizei\u201c der R\u00f6mer \u2013 Soldaten, die f\u00fcr die \u00dcberwachung der Stra\u00dfe zust\u00e4ndig waren.<\/p>\n<p>In eine neue und sehr interessante Phase trat Scarabantia zu Beginn des 4. Jahrhunderts ein, zu einer Zeit, als die St\u00e4dte an der Grenze bereits im Niedergang begriffen waren. Offenbar spielte die Stadt als milit\u00e4rischer Etappenort und als Handelsort eine wichtige Rolle. Sie lag an der damals immer wichtiger werdenden Nordwest\u2013S\u00fcdost-Querverbindung, die von Vindobona (Wien) \u00fcber Savaria (Steinamanger\/Szombathely) und von dort weiter nach Sopianae (F\u00fcnfkirchen\/Pecs) und nach Sirmium f\u00fchrte. Die Stadt bl\u00fchte in dieser Zeit erneut auf. Die Stadtmauer wurde erneuert, alte Geb\u00e4ude erweitert und zahlreiche neue Geb\u00e4ude errichtet. Einzelfunde weisen auf einen betr\u00e4chtlichen Wohlstand in der Stadt hin. Aus dieser Zeit stammt auch ein neues gro\u00dfes Gr\u00e4berfeld an der Bernsteinstra\u00dfe. Die Grabbeigaben lassen vereinzelt auf eine christliche Gemeinde schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Notitia Dignitarum, eine Art r\u00f6mischer Amtskalender, erw\u00e4hnt um 380 n. Chr. einen Tribunus Cohortis Caratensis. Es wird angenommen, dass hier ein Schreibfehler vorliegt und eigentlich Scarabantia gemeint ist. Das bedeutet, dass um diese Zeit eine kleine Milit\u00e4reinheit in Scarabantia stationiert war. Dies war auch ratsam, denn vor allem nach der Schlacht von Adrianopel im Jahre 378 begannen f\u00fcr Pannonien wieder sehr unruhige Zeiten. Es gibt Hinweise, dass auch Scarabantia von der gotisch-hunnisch-alanischen V\u00f6lkerkonf\u00f6deration, deren Reitertrupps damals weit nach Westen vordrangen, angegriffen wurde. Nahezu alle Basteien wurden in dieser Zeit besch\u00e4digt und das n\u00f6rdliche Stadttor wurde zerst\u00f6rt. Eine Schicht aus Schlamm und Erde breitete sich etwa \u00fcber das Pflaster des Forums. Die Stadt scheint also einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in einem eher schlechten Zustand gewesen zu sein. Die Lebensbeschreibung des Heiligen Quirinus berichtet, dass im Jahr 405 ein Teil der r\u00f6mischen Bev\u00f6lkerung von Savaria nach Italien abzog und sich ihnen auch Bewohner Scarabantias angeschlossen h\u00e4tten. Man kann vermuten, dass vor allem die reicheren Familien, denen es in Pannonien zu gef\u00e4hrlich wurde und die sich mit der Primitivisierung des Lebensstils nicht abfinden konnten, die desolate Stadt verlie\u00dfen. In dieser Zeit kommt es erneut zur Ansiedlung von Germanen. Im Jahr 396 n. Chr. erhalten die Markomannen der K\u00f6nigin Fritigil, eine bereits christianisierte Gruppe dieses Volkes, Wohnsitze am Leithagebirge und Neusiedler See und wahrscheinlich auch in Scarabantia. Jedenfalls tauchen in den Fundschichten dieser Zeit verst\u00e4rkt Keramiken auf, die f\u00fcr die Germanen charakteristisch sind.<\/p>\n<p>Die Stadt Scarabantia war also in der ersten H\u00e4lfte des 5. Jahrhunderts nicht im besten Zustand. Viele Geb\u00e4ude wurden wieder aufgebaut. Das gro\u00dfe Jupiter-Heiligtum am Forum wurde zugemauert. Die neu errichteten Geb\u00e4ude waren keine r\u00f6mischen Steinbauten, sondern Blockh\u00e4user und Fachwerkbauten nach germanischer Sitte, auch innerhalb der Stadtmauern. Der Verfall wurde durch das gro\u00dfe Erdbeben von 456 wahrscheinlich noch beschleunigt. Die Arch\u00e4ologen fanden mehrere Hinweise darauf. Der schlechte Zustand der Stadt \u00fcberrascht wenig, man findet zahlreiche Parallelen in anderen St\u00e4dten Pannoniens in dieser Zeit.<\/p>\n<p>Dann aber, gegen Ende des 5. und zu Beginn des 6. Jahrhunderts, kommt es zu einer Entwicklung, die auch die Arch\u00e4ologen sehr erstaunt hat. Das Festungssystem wurde erneut ausgebessert, die Mauern verst\u00e4rkt, die Toranlagen wurden umgebaut. Auf den Umg\u00e4ngen an der Innenseite der Mauer wurden zahlreiche H\u00fctten und Werkst\u00e4tten errichtet. Die Wirtschaft der dicht besiedelten Stadt scheint erneut gebl\u00fcht zu haben. Besonders \u00fcberraschend ist, dass nun auch wieder Steinbauten errichtet wurden, mit Ziegeld\u00e4chern und Heizanlagen. Das ist f\u00fcr Pannonien, mitten in der \u201eV\u00f6lkerwanderungszeit\u201c \u00fcberaus erstaunlich. Viele \u00e4ltere Geb\u00e4ude wurden nun als Vorratsspeicher genutzt. Der Handel mit Italien scheint noch immer funktioniert zu haben, zahlreiche Importg\u00fcter, vor allem Metall- und Glaswaren, sind nachgewiesen. Die Bev\u00f6lkerung war anscheinend wohlhabend genug, um sich diese G\u00fcter noch leisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein betr\u00e4chtlicher Teil der Stadtbewohner und des Umlandes waren in dieser Zeit germanische Heruler (Eruler). Vermutlich war Scarabantia in dieser Zeit das Zentrum ihres Volkes. Ihre reiche Oberschicht konnte sich die Steinh\u00e4user nach r\u00f6mischer Sitte und auch die Luxuswaren leisten. Das beweisen die reich ausgestatteten F\u00fcrstengr\u00e4ber von Heiligenstein (Hegyk\u00f6). Sie waren wahrscheinlich f\u00fcr diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Sp\u00e4tbl\u00fcte der st\u00e4dtisch-r\u00f6mischen Kultur in Scarabantia verantwortlich. Sie boten vermutlich auch einer gr\u00f6\u00dferen Zahl von romanischer Bev\u00f6lkerung in der Stadt Schutz. Vielleicht kam es sogar zur Umsiedlung romanischer Gruppen aus anderen St\u00e4dten Pannoniens.<\/p>\n<p>In diese Zeit fallen auch deutliche Hinweise auf christliche Gemeinden in Scarabantia. \u00d6stlich an die Stadtmauer anschlie\u00dfend wurde eine dreischiffige, 12 m lange Kirche gebaut. Es war dies ein Fachwerkbau auf Steinfundamenten. Scarabantia hatte in dieser Zeit auch einen Bischlof. 572 und nochmals zwischen 577 und 579 n. Chr. unterschrieb ein Vigilius Scaravaciensis die Abschlussdokumente der Synode von Grado. Beide Synoden waren einberufen worden, um das Problem der Dreifaltigkeit zu diskutieren. In der Forschung ist freilich umstritten, ob Vigilius zu dieser Zeit wirklich noch in Scarabantia wirkte oder ob er mit den Langobarden und Herulern nach Italien abgezogen war.<\/p>\n<p>Alle diese Fakten, die arch\u00e4ologischen Befunde, die ein noch immer funktionierendes st\u00e4dtisches Leben, eine dichte Bev\u00f6lkerung, die Fortsetzung der Handelsbeziehungen und die Existenz einer christlichen Gemeinde unter einem eigenen Bischof mitten in den \u201eWirren\u201c der V\u00f6lkerwanderungszeit ergeben jedenfalls ein Bild, das mit den fr\u00fcheren Vorstellungen von einer weitgehend verw\u00fcsteten, ver\u00f6deten, menschenleeren Provinz Pannonien nichts gemein hat. Nat\u00fcrlich hat das Ende der r\u00f6mischen Verwaltung und Staatlichkeit ihre Spuren hinterlassen, das Leben ging aber weiter. Bevorzugte Pl\u00e4tze wie Scarabantia \u2013 \u00d6denburg \u2013 Sopron bleiben eben nicht unbesiedelt\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Literatur:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Floiger, Michael: Das alte \u00d6denburg. In: Geographisches Jahrbuch 2009, Band 33. Hrsg.: Vereinigung Burgenl\u00e4ndischer Geogrphen in Kooperation mit der Universit\u00e4t Westungarn (Sopron), Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften, S. 292 -302. Ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors.<\/em><\/p>\n","protected":false},"featured_media":2473,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"class_list":["post-4413","ort","type-ort","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u0160opron - Bernsteinstra\u00dfe<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/bernsteinstrasse-burgenland.at\/hr\/ort\/sopron\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"hr_HR\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u0160opron - Bernsteinstra\u00dfe\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die keltische und die r\u00f6mische Stadt Auf dem Gebiet der Stadt \u00d6denburg und der Stadtd\u00f6rfer gab es schon in der\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/bernsteinstrasse-burgenland.at\/hr\/ort\/sopron\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Bernsteinstra\u00dfe\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-01-30T16:51:35+00:00\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Est. reading time\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"16 minutes\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/bernsteinstrasse-burgenland.at\\\/hr\\\/ort\\\/sopron\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/bernsteinstrasse-burgenland.at\\\/hr\\\/ort\\\/sopron\\\/\",\"name\":\"\u0160opron - 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